DPZ-Wissenschaftler treffen kolumbianische Botschafterin

DSC_0886Dr. Jens Gruber und Nicolás Lemus aus der Forschungsgruppe Medizinische RNA-Biologie des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) trafen die kolumbianische Botschafterin María Lorena Gutiérrez Botero während ihres eintägigen Besuches an der Universität Göttingen. Grund ihres Aufenthalts waren Gespräche rund um das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut in Bogotá, an dessen Aufbau die Universität Göttingen maßgeblich beteiligt ist. Darüber hinaus sind die Georgia Augusta und auch einige außeruniversitäre Einrichtungen über vielfältige Forschungskooperationen mit Kolumbien verbunden.

Im Rahmen des Besuches der Botschafterin am 20. Januar 2017 fand unter anderem auch ein Meeting mit kolumbianischen Studentinnen und Studenten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Kooperationspartnern statt. In zwangloser Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen tauschten sie sich mit Gutiérrez Botero über verschiedene Themen deutsch-kolumbianischer Zusammenarbeit aus. Mit dabei waren Dr. Jens Gruber und Nicolás Lemus aus der Forschungsgruppe Medizinische RNA-Biologie des DPZ. Die Nachwuchsgruppe beschäftigt sich mit der Funktion von kleinen nicht-Protein-kodierenden RNA-Molekülen im Körper, untersucht deren Rolle bei der Entstehung verschiedener Krankheiten und versucht Therapieansätze dafür zu finden.

Die beiden DPZ-Wissenschaftler nutzten die Gelegenheit, mit der Botschafterin über ihr neues Kooperationsprojekt mit Kolumbien zu sprechen. Schwerpunkt des Projekts ist die Analyse von mesenchymalen Stammzellen, die aus einer speziellen Substanz, dem Wharton-Gelee der Nabelschnur gewonnen werden. Stammzellen sind undifferenziert und damit noch in der Lage, sich in alle Zelltypen des Körpers zu entwickeln. Diese „Alleskönnerzellen“ werden deshalb vor allem in der regenerativen Medizin zur Therapie vieler schwerer Krankheiten eingesetzt, wie beispielsweise Leukämie.

„Die Stammzellen aus dem Wharton-Gelee haben eine besondere Funktion“, sagt Dr. Jens Gruber, Leiter der Nachwuchsgruppe Medizinische RNA-Biologie. „Sie produzieren Stoffe, die die Immunreaktionen im Körper positiv beeinflussen. Unter anderem sind sie auch für den Wachstumsstillstand von Tumorzellen, den sogenannten Tumorschlaf, verantwortlich. Wir wollen herausfinden, welche Stoffe die Zellen produzieren, welche Funktion diese haben und wie man sie für therapeutische Zwecke manipulieren kann.“

Dafür werden die Wissenschaftler künftig mit dem Instituto Distrital de Ciencia, Biotecnología e Innovacion en Salud (IDCBIS) in Bogotá zusammenarbeiten. Das Institut in der Hauptstadt Kolumbiens hat eine Stammzellenbank und verfügt über die nötige Expertise der Zellenkultivierung und -erhaltung in großem Maßstab. „Dem Institut in Kolumbien fehlt allerdings die Infrastruktur für molekulargenetische Manipulationen der Zellen“, sagt Dr. Jens Gruber. „Diesen Teil übernehmen wir und ergänzen uns damit innerhalb des Projektes sehr gut.“

Nicolás Lemus, gebürtiger Kolumbianer und Doktorand in der DPZ-Nachwuchsgruppe, wird nach Abschluss seiner Promotion ebenfalls an dem Projekt beteiligt sein. Über sein Medizinstudium und die wissenschaftliche Ausbildung an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá konnte er bereits erste Kontakte zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Institutes knüpfen. Das Kooperationsprojekt ist deshalb auch maßgeblich durch seinen Einsatz initiiert worden.

Dr. Jens Gruber und Nicolás Lemus sprachen während des Treffens mit der Botschafterin über allgemeine Möglichkeiten der Zusammenarbeit innerhalb des Projekts. María Lorena Guitérrez Botero zeigte sich sehr interessiert und lud beide Wissenschaftler anschließend zu einem Meeting in die Berliner Botschaft ein, an dem auch die Partner aus Bogotá teilnehmen werden.

Das Forschungsprojekt soll im April 2017 starten und ist für zwei Jahre finanziert. Beantragt wurden in der aktuellen bilateralen Förderung durch das BMBF und die kolumbianische COLCIENCIAS insgesamt knapp 100.000 Euro. Das Geld soll vor allem dem Ausbau der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit zwischen dem Institut in Bogotá und dem DPZ in Göttingen dienen. Aus diesem Grund werden vor allem Personalaustausch, Workshops und Reisekosten bezuschusst.

María Lorena Gutiérrez Botero (56) ist studierte Wirtschaftsingenieurin und promovierte im Fach Finanzen. Botschafterin der Republik Kolumbien ist sie seit dem 18. August 2016. Zuvor war sie als Ministerin des Präsidialamtes der kolumbianischen Regierung sowie als stellvertretende Ministerin für Bergbau und Energie tätig. Darüber hinaus hat sie verschiedene nationale und internationale Anerkennungen erhalten und war unter anderem Mitglied im Ministerrat (2010 bis 2016) bei CONFIS, im Rat für Sicherheit und im Beirat für den Frieden.

 

 

Kontakt:

Valia Carvalho

Göttingen International

E-Mail: valia.carvalho@zvw.uni-goettingen.de